Wissenschaftler von Stanford Medicine berichteten über die Entwicklung eines experimentellen Impfstoffs, der langfristig vor verschiedenen Atemwegsbedrohungen schützen kann – Influenza, Covid-19, Respiratory Syncytial Virus, Erkältung, bakterielle Lungenentzündung und sogar Allergene. Das berichtet der Independent.
Der Impfstoff mit der Bezeichnung GLA-3M-052-LS+OVA wird in Form eines Nasensprays verabreicht. In Experimenten an Mäusen schützte eine einzige Injektion des Medikaments in die Nase die Lunge für mehrere Monate.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Impfstoffen, die dem Immunsystem ein Fragment eines bestimmten Virus „zeigen“, ahmt die neue Entwicklung die Signale nach, mit denen Immunzellen während einer Infektion miteinander kommunizieren. Dadurch werden die T-Zellen in der Lunge aktiviert und die angeborene Immunantwort in höchster Alarmbereitschaft gehalten.
„Ich denke, wir haben einen universellen Impfstoff gegen eine Vielzahl von Bedrohungen der Atemwege“, sagte der Leiter der Arbeit, Bali Pulendran, Direktor des Instituts für Immunität, Transplantation und Infektion in Stanford Medicine. In Zukunft, so Pulendran, werden zwei Dosen Nasenspray im Herbst ausreichen, um gegen die meisten Winterinfektionen zu schützen.
Die Forscher vermuten, dass bei ausreichender Finanzierung klinische Versuche am Menschen in den nächsten Jahren beginnen könnten, und die praktische Anwendung könnte fünf bis sieben Jahre entfernt sein.
Unabhängige Experten mahnen jedoch zur Vorsicht. Ian Jones, Professor für Virologie an der University of Reading, ist der Ansicht, dass ein echter „One-Shot-Impfstoff für das ganze Leben“ noch in weiter Ferne liegt. Seiner Meinung nach muss ein universeller Ansatz die enorme biologische Heterogenität der menschlichen Bevölkerung berücksichtigen, und Sicherheitsfragen sind nach wie vor entscheidend.
Professor Jonathan Ball von der Liverpool School of Tropical Medicine weist auch darauf hin, dass es Nebenwirkungen haben kann, wenn das Immunsystem ständig „in Alarmbereitschaft“ gehalten wird. Es besteht die Gefahr einer Überaktivierung des Immunsystems, die theoretisch zu unerwünschten Entzündungsreaktionen führen könnte.
Dennoch bewerten einige Experten die Ergebnisse als vielversprechend. Daniela Ferreira, Professorin für Vakzinologie an der Universität Oxford, nannte die Arbeit „aufregend“. Die meisten Menschen verfügten bereits über Immungedächtniszellen in der Nasen- und Lungenschleimhaut, und die neue Strategie könnte diese Basis für eine breite Abwehr auch gegen nicht verwandte Krankheitserreger nutzen, sagte sie.
Wenn sich der Ansatz beim Menschen als wirksam und sicher erweist, könnte er die Strategie zur Vorbeugung saisonaler Infektionen verändern und den Bedarf an jährlichen Impfungen gegen verschiedene Viren verringern. Derzeit befindet sich der Ansatz jedoch noch im präklinischen Stadium, und es ist noch ein weiter Weg, bis ein echter Universalimpfstoff entwickelt werden kann.

