In der Welt der gesunden Ernährung hat sich seit langem die Vorstellung verfestigt, dass man im Alter weniger Fleisch essen und dafür leichtere pflanzliche Lebensmittel bevorzugen sollte.
Vegetarismus wird oft als ein Weg zur Reinigung und Langlebigkeit dargestellt, insbesondere für ältere Menschen, berichtet .
Doch eine groß angelegte chinesische Studie, die im Januar 2026 im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlicht wurde, zwingt zu einem drastischen Überdenken dieser Ansicht. Forscher der Fudan-Universität in Shanghai analysierten die Daten von mehr als 5.000 Menschen im Alter von 80 Jahren und älter, die von 1998 bis 2018 beobachtet wurden.
Sie verglichen die Fleischesser mit Vegetariern, Fischfressern und Veganern, und die Ergebnisse waren für viele überraschend. Die Wahrscheinlichkeit, 100 Jahre alt zu werden, war bei Fleischessern höher als bei Menschen, die sich pflanzlich ernährten.
Die statistische Signifikanz dieses Ergebnisses wurde jedoch erst deutlich, als das Gewicht der Teilnehmer berücksichtigt wurde. Unter den untergewichtigen älteren Menschen (BMI unter 18,5) wurden fast 30 % der Fleischesser und nur 24 % der Vegetarier 100 Jahre alt.
Und bei denjenigen, die täglich Fleisch aßen, war die Wahrscheinlichkeit einer hohen Lebenserwartung sogar noch höher. Bei normalgewichtigen Teilnehmern wurde kein solches Muster festgestellt. Der Hauptautor der Studie, Wang Kaiyue, erklärt, dass eine fleischreiche Ernährung zwar das Risiko von Fettleibigkeit erhöht, tierische Proteine jedoch für den Aufbau von Muskeln und Knochenstärke entscheidend sind, insbesondere bei untergewichtigen Menschen.
Im Alter, wenn viele mit Sarkopenie – dem Verlust von Muskelmasse – konfrontiert sind, ist Fleisch kein Luxus, sondern ein Mittel, um Mobilität und Unabhängigkeit zu erhalten.
Die Forscher betonen jedoch, dass auch Gemüse keineswegs ausgeschlossen werden sollte: Die Teilnehmer, die täglich Gemüse in beliebiger Menge aßen, hatten im Allgemeinen eine höhere Lebenserwartung. Es geht nicht darum, sich zwischen Fleisch und Pflanzen zu entscheiden, sondern darum, das richtige Gleichgewicht zu finden, das dem Alter und der körperlichen Verfassung Rechnung trägt.
James Webster von der Universität Oxford, der die Studie kommentiert, warnt davor, voreilige Schlüsse zu ziehen: Sowohl vegetarische als auch fleischhaltige Ernährung kann sowohl nützlich als auch schädlich sein – es hängt alles von ihrem Nährwert ab.
Es kommt nicht nur darauf an, ob man Fleisch isst oder nicht, sondern auch darauf, genügend Vollkornprodukte, Obst und Gemüse zu sich zu nehmen und dabei möglichst wenig Salz, Zucker und gesättigte Fette zu essen. Die Autoren der Studie fassen zusammen: Ernährungsempfehlungen für Hochbetagte sollten den Schwerpunkt auf eine ausgewogene und vollständige Ernährung legen und nicht auf den strikten Verzicht auf tierische Produkte.
Dies gilt insbesondere für untergewichtige ältere Menschen, für die Fleisch ein echter Rettungsanker auf dem Weg zum hundertsten Lebensjahr sein kann. Dies ist eine wichtige Lektion für alle, die sich um ihre älteren Eltern kümmern: keine trendigen Diäten und Beschränkungen auf der Grundlage von Allgemeinplätzen auferlegen.
Es ist besser, den tatsächlichen Zustand der Person zu betrachten, ihr Gewicht, ihren Appetit und ihr Wohlbefinden, und eine Ernährung zu wählen, die sie im Alter wirklich stark und gesund hält.
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