Foto: aus öffentlichen Quellen
Es ist dieser weit verbreitete kulinarische Irrtum, der einem Gericht den Geschmack, die Transparenz und den Reichtum raubt
Viele Hausfrauen sind überzeugt: Je intensiver die Suppe kocht, desto schneller ist sie fertig. In Wirklichkeit ist starkes Kochen der direkte Weg zu einer trüben, geschmackslosen“ Brühe. Dieser weit verbreitete kulinarische Irrglaube beraubt das Gericht seines Geschmacks, seiner Transparenz und seiner Fülle.
Profiköche weisen darauf hin, dass es bei der richtigen Zubereitung einer Suppe nicht um ein schnelles Aufkochen, sondern um ein kaum merkliches „leises“ Schmoren geht. Die Suppe sollte sich nur leicht bewegen und nicht wie ein Geysir sprudeln. Und das ist keine Frage der Ästhetik, sondern der physikalischen und chemischen Prozesse.
Warum starkes Aufkochen die Suppe verdirbt
Wenn die Brühe zu stark kocht, gerinnen die Proteine abrupt und ungleichmäßig. Sie steigen in Form von Flocken auf und machen die Suppe trübe. Statt einer klaren Brühe erhält man also eine trübe Flüssigkeit ohne appetitliches Aussehen.
Außerdem wird durch das intensive Kochen die Struktur des Gemüses zerstört. Es zersetzt sich schnell, verliert seinen natürlichen Geschmack und wird zu einer unförmigen Masse. Der Geschmack wird flach, ohne Tiefe.
Auch das Fleisch leidet darunter. Bei hohen Temperaturen schrumpfen die Fasern stark und werden zäh, und der gesamte Fleischsaft bleibt im Inneren des Stücks, anstatt die Brühe allmählich zu sättigen. Dadurch verliert das Gericht die gleiche Geschmackstiefe, für die wir Suppen kochen.
Langsames Köcheln ist das Geheimnis für eine klare und reichhaltige Brühe
Das langsame Kochen ist ein ganz anderes Verfahren. Proteine werden sanft und allmählich reduziert, ohne die Brühe zu verunreinigen. Der Geschmack des Fleisches und des Gemüses wird gleichmäßig auf das Wasser übertragen, wodurch ein harmonischer und reicher Geschmack entsteht.
Das Gemüse behält seine Form, Textur und natürliche Farbe. Es kocht nicht über, sondern gibt genau die richtige Menge an Geschmack ab, so dass ein perfektes Gleichgewicht entsteht.
Kulinarische Schulen sind sich einig: Langsames Köcheln ist die Grundlage für eine perfekte Brühe. Diese Regel gilt nach wie vor für Borschtsch, Hühnersuppe und jede hausgemachte Suppe.
Was mit dem Fett passiert
Beim starken Kochen emulgiert das Fett – es vermischt sich mit dem Wasser, wodurch ein trüber und schwerer Geschmack entsteht. Aus diesem Grund erscheint die Suppe „schwer“ und undurchsichtig.
Bei geringer Hitze steigt das Fett in einem dünnen Film an die Oberfläche. Es lässt sich leicht mit einem Löffel entfernen und man erhält eine klare, helle Brühe.
Konservierungsstoffe und Vitamine
Ein weiterer Vorteil ist die Konservierung der Nährstoffe. Bei zu hohen Temperaturen werden die Vitamine viel schneller zerstört. Dies ist besonders wichtig für Gemüsesuppen, bei denen der Nutzen direkt von der Temperatur abhängt.
Die goldene Regel der Suppenherstellung
Profis raten: die Suppe bei großer Hitze zum Kochen bringen und sofort nach dem Aufkochen auf niedriges Köcheln reduzieren. Kaum merkliches Köcheln ist genau der richtige Modus, um eine klare, geschmackvolle und reichhaltige Brühe zu erhalten.
Und es lohnt sich, diese Methode einmal auszuprobieren – der Unterschied wird deutlich. Die Suppe erhält einen tiefen Geschmack, ein angenehmes Aroma und eine perfekte Klarheit.

