Ein russischer Wissenschaftler hat herausgefunden, wie lange es tatsächlich dauert, eine Gewohnheit zu entwickeln

Wie viele Tage dauert es, bis das morgendliche Joggen oder eine neue Arbeitsfertigkeit zum Automatismus werden? Galina Tschernowalowa, außerordentliche Professorin an der Abteilung für Management und Marketing des Permer Polytechnikums, hat eine Methode entwickelt, mit der sich mit 95-prozentiger Genauigkeit vorhersagen lässt, wie viel Zeit eine bestimmte Person benötigt, um eine neue Gewohnheit zu festigen. Dies teilte der Pressedienst der Bildungseinrichtung gegenüber Gazeta.Ru mit.

Eine Gewohnheit entsteht, wenn eine Handlung keine Willensanstrengung mehr erfordert und in einen automatischen Modus übergeht. Das Gehirn spart Ressourcen, und die Ausführung verursacht keinen Widerstand mehr. Der Mythos der „21 Tage“ ist in der Gesellschaft weit verbreitet, aber es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis für eine universelle Frist. Historische Beispiele – Experimente mit umgekehrtem Sehen oder Beobachtungen von Patienten aus der plastischen Chirurgie – lassen sich nicht auf alltägliche Gewohnheiten übertragen.

Über einen Zeitraum von drei Jahren führte die Forscherin Umfragen, Tests und Tiefeninterviews mit Unternehmensmitarbeitern durch und beobachtete ihre Arbeitsabläufe. Als Ergebnis wurden fünf Schlüsselfaktoren ermittelt, die die Geschwindigkeit der Gewohnheitsbildung beeinflussen.

„An erster Stelle steht die körperliche Bereitschaft – der Gesundheitszustand und das Ausmaß der Belastung. Ebenso wichtig sind die emotionale Einstellung und die subjektive Haltung gegenüber der Aufgabe. Eine wichtige Rolle spielen auch frühere Erfahrungen, die Unterstützung durch das Umfeld und die Verfügbarkeit der Infrastruktur – Zeit, Ressourcen, Bedingungen“, erklärt Galina Chernovalova.

Die Analyse hat gezeigt, dass es keine einheitliche Frist gibt, wohl aber bestimmte Zeitlimits.

Wenn eine Person eine Fähigkeit bereits beherrscht, dauert es etwa 14 Tage, um sie wiederzuerlangen. Im Falle einer völlig neuen und komplexen Handlung kann der Prozess bis zu 90 Tage dauern. Keiner der Studienteilnehmer hat diesen Zeitraum jedoch überschritten.

Auf der Grundlage der gewonnenen Daten wurde eine Vorhersageskala erstellt. Eine Person bewertet jeden der fünf Faktoren auf einem Fünf-Punkte-System – von ausgeprägtem Ressourcendefizit bis zu voller Einsatzbereitschaft. Die Punktzahlen werden addiert und mit dem Tagesumfang der Person korreliert.

Die Methodik wurde an 149 Mitarbeitern in fünf Unternehmen getestet. Jeder wählte eine Gewohnheit, die er verstärken wollte – von der Tagesplanung bis zur Reduzierung der Zeit in sozialen Netzwerken. „In 141 der 149 Fälle stimmte die tatsächliche Zeit mit der vorhergesagten Zeit überein. Die Trefferquote lag bei 95 Prozent. Am häufigsten lagen die Teilnehmer innerhalb einer Spanne von 33 bis 71 Tagen“, so der Forscher.

Ihr zufolge spielt die subjektive Bewertung eine entscheidende Rolle: Wenn eine Person ihre Bereitschaft als gering einschätzt, verlangsamt dies den Prozess erheblich. Die Gewohnheitsbildung kann jedoch beschleunigt werden, wenn die Aufgabe klar formuliert wird, die neue Handlung mit bestehenden Ritualen verknüpft wird und die Unterstützung durch Gleichaltrige genutzt wird.

Die Entwicklung ist für Unternehmen, Personalverantwortliche und Coaches gedacht. Sie ermöglicht eine realistischere Planung der Mitarbeiterschulung und vermeidet überzogene Erwartungen, die nicht auf populären Zahlen, sondern auf einer individuellen, wissenschaftlich fundierten Prognose beruhen.

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