Die Praxis des „Abnehmens“ mit Hilfe von Botulinumtoxin-Injektionen im Bereich der Ohrmuschel ist ein Beispiel für die Kommerzialisierung unbewiesener Methoden und nicht für eine medizinische Technologie mit nachgewiesener Wirksamkeit, erklärte die außerordentliche Professorin der Skripkin-Abteilung für Dermatovenerologie am Institut für klinische Medizin der Pirogov-Universität des russischen Gesundheitsministeriums Tatyana Gaidina gegenüber Gazeta.Ru. Tatyana Gaidina, außerordentliche Professorin in der Skripkin-Abteilung für Dermatovenerologie am Institut für klinische Medizin der Pirogov-Universität des russischen Gesundheitsministeriums, erklärte gegenüber Gazeta.Ru.
„Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Behauptung, dass eine Injektion in den „Appetitpunkt“ am Ohr das Hungerzentrum im Gehirn beeinflussen kann, nicht haltbar. Botulinumtoxin wirkt lokal, indem es die Übertragung von Nervenimpulsen an der Injektionsstelle blockiert, und hat keinen direkten Einfluss auf den Hypothalamus oder die systemischen Mechanismen der Appetitregulation. Bis heute gibt es keine hochwertigen klinischen Studien, die die Wirksamkeit dieser Methode zur Gewichtsabnahme bestätigen“, erklärte der Arzt.
Die Idee, die hinter der Dienstleistung steht, ist zum Teil dem Konzept der Akupunktur entlehnt – der Einwirkung auf „biologisch aktive Punkte“. Aber auch für die Akupunktur im Allgemeinen gibt es nur wenige Belege, und in strengen Studien sind ihre Wirkungen oft mit Placebos vergleichbar. Die Hinzufügung von Botulinumtoxin zu diesem Konzept ist wissenschaftlich nicht gerechtfertigt, ist der Arzt überzeugt.
„Gleichzeitig darf nicht vergessen werden, dass Botulinumtoxin ein starkes Neurotoxin ist, auch wenn es in der Medizin in geringen Dosen eingesetzt wird. Sein Einsatz ist nur bei klaren Indikationen gerechtfertigt: zum Beispiel bei Mimikfalten, Hyperhidrose oder bestimmten neurologischen Erkrankungen. Jede Injektion ist mit Risiken verbunden: von lokalen Komplikationen bis hin zu Schluckstörungen, Sprachstörungen und sogar seltenen Fällen von iatrogenem Botulismus“, so Gaidina.
Wie der Arzt feststellte, wird eine solche Methode weder in russischen noch in internationalen klinischen Leitlinien für die Behandlung von Fettleibigkeit erwähnt.
Privatkliniken können jedoch Off-Label-Verfahren anbieten, doch muss der Patient umfassend darüber aufgeklärt werden, dass die Methode keine nachgewiesene Wirksamkeit hat, und er muss freiwillig seine schriftliche Zustimmung geben.
„Zum jetzigen Zeitpunkt können solche Verfahren weder als wirksam noch als gerechtfertigt angesehen werden. Im besten Fall handelt es sich um einen Placebo-Effekt, im schlimmsten Fall um eine Irreführung des Patienten aus finanziellen Gründen“, so der Arzt abschließend.

